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Sexueller Missbrauch von Kindern
Die Notwendigkeit junge Menschen vor sexuellen Übergriffen im engeren Sinne zu schützen, steht in unmittelbarem Zusammenhang mit ihrem Recht auf eine unbeschwerte und ungestörte individuelle Entfaltung ihrer Sexualität und Entwicklung der sexuellen Selbstbestimmung.

Sexuellen Missbrauch von Kindern (unter 14 Jahre) kann man unterteilen in:
  • sexuelle Handlungen mit Körperkontakt,
  • sexuelle Handlungen ohne Körperkontakt,
  • das Anbieten von Kindern,
  • das Verabreden zu sexuellem Missbrauch (§ 176 StGB).
Um schweren sexuellen Missbrauch handelt es sich, wenn es zum
  • Beischlaf einer Person über 18 mit einer Person unter 14 Jahren kommt,
  • die Tat von mehreren gemeinschaftlich begangen wird oder
  • wenn infolge der Tat schwere Schäden für das Kind (gesundheitlich oder in der Entwicklung) zu befürchten sind (§ 176a StGB.)
Sexueller Missbrauch unterscheidet sich von bloßen Grenzüberschreitungen, d. h. Verhalten oder Handlungen – auch unabsichtliche, die die persönliche Grenze eines Kindes überschreiten und ihm unangenehm sind. Sexuelle Übergriffe sind charakterisiert durch ihre sexuelle Absicht, Massivität und Häufigkeit.  

Wir verweisen auf die Website des Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs als zentrales Informationsportal für das Themenfeld des sexuellen Kindesmissbrauchs in der Bundesrepublik Deutschland. Das Portal bietet zahlreiche Informationen und Hilfestellungen für Betroffene, Angehörige, Fachkräfte und Interessierte. 

Sexuelle Handlungen mit Körperkontakt

Strafbar ist es
  • sexuelle Handlungen an einem Kind (unter 14 Jahre) vorzunehmen,
  • sexuelle Handlungen an sich von dem Kind vornehmen lassen,
  • ein Kind dazu zu bewegen, dass es sexuelle Handlungen an einem Dritten vornimmt oder
  • ein Kind dazu zu bewegen, dass es sexuelle Handlungen von einem Dritten an sich vornehmen lässt.
Eine sexuelle Handlung liegt dann vor, wenn sie nach ihrem äußeren Erscheinungsbild einen Sexualbezug hat. Das kann schon beim Streicheln über die Brust oder im Genitalbereich der Fall sein oder bei einem Kuss auf den Mund, soweit dieser sexuell motiviert oder seiner Ausführung nach sexualisiert ist. Unerheblich ist, wie das Kind dies empfindet oder wahrnimmt. Geschütztes Rechtsgut ist hier die ungestörte Sexualentwicklung und nicht etwa die sexuelle Selbstbestimmung (die Kinder in diesem Sinne noch nicht haben). So sind z. B. auch sexuelle Manipulationen am schlafenden Kind strafbar, da nicht auszuschließen ist, dass diese das Kind in seiner Entwicklung beeinflussen.

Sexuelle Handlungen ohne Körperkontakt

Diese Verhaltensweisen sind strafbar, sie umfassen
  • sexuelle Handlungen vor dem Kind,
  • das Bestimmen des Kindes zu sexuellen Handlungen,
  • Einwirken durch Medien,
  • Einwirken mittels Pornographie.
Sexuelle Handlungen anderer vor dem Kind: Der Täter nimmt sexuelle Handlungen an oder mit einem Dritten vor. Sexuelle Handlungen vor einem Kind sind zum Beispiel: exhibitionistische Handlungen nach Paragraph 183 StGB, sexuelle Handlungen des Täters mit Dritten (z. B. Geschlechtsverkehr). Das Kind muss den sexuellen Vorgang wahrnehmen, muss aber das wahrgenommene Geschehen nicht einem sexuellen Kontext zuordnen können.

Ein Kind zu sexuellen Handlungen bestimmen: Das bloße Betrachten eines sexuellen Vorgangs ist noch keine sexuelle Handlung. Die unmittelbare Einwirkung des Täters auf das Kind muss gegeben sein, so dass das Kind sexuelle Handlungen vornimmt. Darunter fallen beispielsweise das Bestimmen zu obszönen Stellungen, zum Zeigen der Geschlechtsteile bzw. bei entwickelten Mädchen das Zeigen des Oberkörpers, zur Selbstbefriedigung. Das Kind selbst muss die Bestimmung zu sexuellen Handlungen durch den Täter nicht als solche wahrnehmen.

Einwirken mittels Schriften und Medien: Eine besondere Form sexuellen Übergriffs im Vorfeld sexuellen Missbrauchs ist es, wenn durch Schriften oder Medien auf das Kind eingewirkt wird, damit es zu sexuellen Handlungen kommt oder um kinderpornographisches Material herzustellen. Das Einwirken meint dabei alle Formen der aktiven, unmittelbaren und intensiven, psychischen Beeinflussung. Hierbei zeigt der Täter eine gewisse Hartnäckigkeit, zum Beispiel drängendes Überreden, Versprechungen, Einschüchterungen. Dazu verwendet der Täter Schriften, also zum Beispiel Bücher, Briefe, Comics oder er benutzt Ton- und Bildträger, Datenspeicher, Abbildungen und andere Darstellungen. Hierzu zählen: Musik- und Videokassetten, CDs oder DVDs, Fotografien. Strafbar macht sich auch, wer per E-Mail oder Chatroom in den beschriebenen Formen mit einem Kind kommuniziert.

Einwirken auf das Kind durch Pornografie: Hierzu zählt das Vorzeigen pornographischer Abbildungen (Gemälde, Fotos, Filme) oder Darstellungen, das Abspielen von Tonträgern pornographischen Inhalts oder Aussprechen pornographischer Inhalte gegenüber dem Kind. Die Aufnahmen oder das eindringliche Einreden auf das Kind müssen sich auf dessen Psyche auswirken, das heißt das Kind muss das Verhalten des Täters sinnlich wahrgenommen haben. Eine bloße Möglichkeit der Wahrnehmung reicht nicht aus. Eine psychische Einwirkung mit pornographischen Inhalten vermittelt immer geschlechtsbezogene Vorgänge. Das Kind muss den dahinter steckenden Sinn zu sexuellen Handlungen nicht verstehen oder ein sexuelles Interesse entwickeln. Ebenso ist eine räumliche Nähe des Täters zum Kind nicht erforderlich. Telefonkontakt oder Kontakt per Internet zwischen Täter und Kind reichen aus.

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