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Kinder mit Behinderung
Missbrauch an Kindern mit Behinderung war lange ein Tabuthema. Kinder mit körperlichen und geistigen Behinderungen benötigen eine besondere Betreuung, sie sind auf die Pflege und Zuwendung von Erwachsenen angewiesen. Dadurch sind sie besonders gefährdet, Opfer sexuellen Missbrauchs zu werden.

Nach einer vom Bundesfamilienministerium in Auftrag gegebenen Studie zu Gewalt gegen Frauen mit Behinderung (Bielefelder Studie 2011) sind 20-34 Prozent der Frauen mit geistiger und / oder körperlicher Behinderung in ihrer Kindheit und Jugend Opfer sexuellen Missbrauchs durch Erwachsene geworden. Der Bevölkerungsdurchschnitt liegt bei ca. 10 Prozent. Sie sind damit zwei bis dreimal häufiger betroffen als Frauen ohne Behinderung. Werden nicht nur Erwachsene, sondern auch Kinder und Jugendliche als Täter berücksichtigt, so wurde jede zweite bis vierte Frau mit Behinderung in ihrer Kindheit und Jugend Opfer sexuellen Missbrauchs. Besonders gehörlose Frauen sind mit 52 Prozent in hohem Maße betroffen. Häufig erlebten sie den sexuellen Missbrauch in Einrichtungen und Institutionen. Frauen mit Sehbehinderungen waren zu 40 Prozent, Frauen mit psychischen Erkrankungen zu 36 Prozent und Frauen mit mehrfachen / körperlichen Behinderungen zu 34 Prozent Opfer von sexuellem Missbrauch.

Kindern mit körperlichen Behinderungen fällt es durch ihre Einschränkung schwerer sich zu wehren. Geistig behinderte Kinder können durch ihre Intelligenzminderung die Tat nur unter Schwierigkeiten benennen und einordnen. Werden Kinder mit Behinderung nicht aufgeklärt, haben sie weniger Möglichkeiten, vor allem durch den fehlenden Wortschatz, den sexuellen Missbrauch zu äußern. Kinder mit Behinderungen leben oft in Heimen. Sie erleben häufig Grenzüberschreitungen, insbesondere im Rahmen der Pflege. Unterschiede zu erkennen, kann ihnen schwer fallen.

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