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Vernachlässigung
Die Vernachlässigung stellt eine besondere Form sowohl der körperlichen als auch psychischen Kindesmisshandlung dar. Vernachlässigung ist eine Form der Kindeswohlgefährdung (§ 1666 Abs. 1 BGB). Eltern können Kinder vernachlässigen, indem sie ihnen Zuwendung, Liebe, Akzeptanz, Betreuung, Schutz und Förderung verweigern, oder indem die Kinder physischen Mangel erleiden müssen.

In der Regel wird die Vernachlässigung in folgende Formen unterteilt:
  • Emotionale Vernachlässigung, z. B. durch mangelnde positive Zuwendung und Feinfühligkeit oder fehlende Reaktion auf emotionale Signale des Kindes.
  • Geistige (kognitive) und erzieherische Vernachlässigung, z. B. durch fehlende Beachtung eines besonderen und erheblichen Erziehungs- oder Förderbedarfs, Mangel an Gesprächen, Spiel und anregenden Erfahrungen oder fehlender erzieherischer Einflussnahme auf einen unregelmäßigen Schulbesuch. Diese Form der Vernachlässigung kann sich auch durch eine Tendenz des Kindes zur Straffälligkeit oder zum Suchtmittelgebrauch zeigen.
  • Körperlich / medizinische Vernachlässigung, z. B. durch unzureichende Versorgung mit Nahrung, Flüssigkeit, Kleidung oder mangelnde Hygiene, unzureichenden Wohnraum oder medizinische Unterversorgung.
  • Unzureichende Beaufsichtigung, z. B. indem das Kind längere Zeit auf sich alleine gestellt bleibt oder keine Reaktion auf eine längere, unangekündigte Abwesenheit des Kindes folgt.
Bestimmte Auffälligkeiten in der äußeren Erscheinung und dem Gesundheitszustand des Kindes oder seinem Verhalten können mögliche Hinweise für eine körperliche und psychische Vernachlässigung sein. Von der Erscheinung her können:
  • hochgradige Magerkeit,
  • wunde, verkrustete, verschmutzte Haut,
  • unsaubere oder jahreszeitlich nicht angepasste Kleidung,
  • unangenehmer Geruch oder
  • unbehandelte, verschleppte Krankheiten äußere Merkmale einer Vernachlässigung sein.
Verhaltensweisen wie beispielsweise:
  • Entwenden oder gieriges Verschlingen von Nahrungsmitteln,
  • Schulschwänzen,
  • Nichtbeibringen von Schulmaterial oder notwendigen Unterschriften sowie
  • Aufenthalte an ungeeigneten Orten, zu ungeeigneter Zeit können Hinweise einer Vernachlässigung sein.
Weitere Hinweise einer Vernachlässigung können beispielsweise sein:
  • eine stark unzureichende Ernährung oder Pflege des Kindes,
  • eine Verwahrlosung der Wohnung,
  • passives Unterlassen jeglicher ärztlicher Behandlung oder gebotene Unterbringung in einer Klinik,
  • Verwahrlosung der Kleidung,
  • Duldung des Herumtreibens,
  • mangelhafte Beaufsichtigung,
  • mangelhafte Sorge für regelmäßigen Schulbesuch,
  • Duldung ungünstiger Einflüsse Dritter,
  • eine sehr instabile Lebensführung oder schleppende oder unterlassene Unterhaltszahlungen.
Kontinuierliche Vernachlässigung führt außerdem sehr häufig zu Entwicklungsverzögerungen, schulischem Misserfolg, Behinderungen und psychischen Störungen sowie erhöhtem Kriminalitätsrisiko.

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