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Verstöße gegen Selbst und Mitbestimmung
Eltern haben für Ihre Kinder das Entscheidungsrecht. Ziel jeder Erziehung ist jedoch die Selbständigkeit und Eigenverantwortlichkeit. Deshalb appelliert der Gesetzgeber: „Bei der Pflege und Erziehung berücksichtigen die Eltern die wachsende Fähigkeit und das wachsende Bedürfnis des Kindes zu selbständigem eigenverantwortlichen Handeln“ (§ 1626 BGB). Wird das Bedürfnis der Kinder übergangen, kann dies schlimmstenfalls deren Wohl gefährden.

Jeder Mensch braucht Freizeit, um sich vor den Anstrengungen des Lebens zu erholen. Zur Freizeit zählen u.a. das freie Spielen, Treffen mit Freunden, Hobbys oder die Mitgliedschaft in Vereinen. Da die Eltern das Vertretungsrecht haben, obliegt es ihnen, die Freizeit ihrer Kinder auch durch diverse Mitgliedschaften, Teilnahmen  / Anmeldungen zu steuern, z. B. Pfadfinder, Musikschule, Sportverein (§ 1629 BGB).

Eltern haben außerdem das Aufenthaltsbestimmungsrecht. Dadurch haben sie einerseits das Recht, den Aufenthalt eines Kindes an einem bestimmten Ort und einer bestimmten Zeit zu gestatten, andererseits auch das Recht, den Aufenthalt an gewissen Orten und gewissen Zeiten zu verbieten. Bei dem Aufenthalt sind die wachsende Fähigkeit und das wachsende Bedürfnis von Kindern / Jugendlichen zu selbstständigem, verantwortungsbewusstem Handeln zu berücksichtigen (§ 1626 Abs. 2 BGB).

Auch im Umgang ihres Kinde mit Dritten sind die Eltern entscheidungsbefugt. Zu berücksichtigen sind dabei jedoch etwaige Umgangsrechte des Kindes (insbesondere zu Personen, zu denen eine Bindung besteht).

Kinder sind keine Objekte. Aktivitäten wie Modeln, das Teilnehmen an Modenschauen und Castingshows, oder ein frühes Engagement im Leistungssport oder im musikalischen Bereich werden möglicherweise von Eltern initiiert. Nicht jedes Kind teilt jedoch dieses Interesse mit dem Elternteil. Trotzdem kann es sein, dass das Kind die Tätigkeiten zunächst ausübt, um den Eltern zu gefallen oder deren Aufmerksamkeit und Liebe zu erhalten.

Die Wahl der weiterführenden Schule ist Teil der Elterlichen Sorge und Sache der Eltern. Allerdings sollte das Kind bei der Auswahl miteinbezogen werden. Bei der Schulauswahl sollten Eltern verschiedene Punkte berücksichtigen. Die Einschätzung der Lehrerkräfte geben Hinweise auf das Potenzial des Kindes. Zu berücksichtigen sind die Fähigkeiten des Kindes, z.B. das Lernverhalten, die Konzentration, Sprache, aber auch die Wünsche des Kindes, denn auf die Eignung und Neigung des Kindes ist Rücksicht zu nehmen. Eine falsche Schulwahl kann aufgrund unterschiedlichster Begabungen der Kinder zu einer Unter- bzw. Überforderung auf der neuen Schule führen.

Schulverweigerer fehlen meist nicht aus speziellen Gründen (um beispielsweise das Mitschreiben einer Klassenarbeit zu vermeiden), sondern sie bleiben wiederholt, oft ganztägig und meist unentschuldigt dem Unterricht fern. Dies kann verschiedene Gründe, wie z. B. eine Unter- bzw. Überforderung, Stress, Leistungsdruck, oder eine „Null-Bock-Einstellung“ des Schülers haben. Außerdem können Kinder und Jugendliche durch ihre Peergroup beeinflusst oder trotz bestehender Schulpflicht von ihren Eltern vom Schulbesuch abgehalten werden. Lehrkräfte sollten in solchen Fällen, mit den SchülerInnen, den Eltern aber auch mit den KollegInnen und der Schulleitung sprechen, um zeitnah reagieren zu können und falls notwendig externe Hilfe (z. B. des Jugendamts) in Anspruch nehmen. Eltern von Schulverweigerern sollten ebenfalls das gemeinsame Gespräch suchen.

Die Entscheidung über die Berufsauswahl liegt auch bei Minderjährigen in der Hand der Jugendlichen, denn es betrifft ihren Lebensweg. Allerdings bedarf es für den Ausbildungsvertrag einer Zustimmung der gesetzlichen Vertreter in Form einer Unterschrift. Der Gesetzgeber appelliert: „In Angelegenheiten der Ausbildung und des Berufs nehmen Eltern auf Eignung und Neigung des Kindes Rücksicht“ (§1631 a BGB). Sollten die Eltern nicht einwilligen und dadurch die Entwicklung des Kindes nachhaltig oder schwer beeinträchtigt werden, so kann das Gericht die notwendigen Erklärungen der Eltern bzw. eines Elternteils im Rahmen des Bereichs „Ausbildung und Beruf“ durch eine richterliche Entscheidung ersetzen, um eine Kindeswohlgefährdung zu verhindern (§ 1631a, 1666 Abs. 3 BGB).

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