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Straftaten gegen Selbst und Mitbestimmung
"Ehren"mord (Mord zur Wiederherstellung oder zum Schutz der Ehre) bezeichnet die Tötung eines in der Regel weiblichen Mitglieds der Familie des Täters zur Abwendung einer ihm oder seiner Familie drohenden oder bereits zugefügten, gesellschaftlichen Herabsetzung („Schande“) aufgrund der vermuteten Verletzung gesellschaftlicher Verhaltensregeln vonseiten der getöteten Person. Die Opfer sind mehrheitlich weibliche und die Täter meist männliche Familienmitglieder. "Ehren"mord (Mord / Totschlag) ist strafbar (§§ 211, 212 StGB). Die Strategie ein minderjähriges Familienmitglied für die Tatausführung auszuwählen, ist ebenfalls strafbar. Es handelt sich hierbei um Anstiftung und/oder Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflicht.

Bei der weiblichen Genitalverstümmelung werden die äußeren weiblichen Geschlechtsorgane teilweise oder ganz entfernt. In der Praxis wird dies traditionellerweise von Beschneiderinnen mit Messern, Rasierklingen oder anderen scharfen Gegenständen vorgenommen. Die betroffenen Mädchen und Frauen müssen die Verstümmelung meist ohne Narkose und unter unhygienischen Bedingungen ertragen. Die Verstümmelungen verursachen bei den Frauen körperliche und seelische Schäden, die zu drastischen Beeinträchtigungen der Lebensqualität führen. Genitalverstümmlung ist strafbar (§226a StGB).

Eine Zwangsheirat liegt dann vor, wenn mindestens einer der Eheschließenden durch Willensbeugung zur Ehe gebracht wird. Zu den Mitteln der Willensbeugung gehören insbesondere die Ausübung von Druck durch Drohungen in ganz unterschiedlicher Art und Weise. Im Jahr 2011 wurden in Deutschland 2.942 Fälle von (angedrohter) Zwangsheirat gemeldet. Von Experten wird jedoch eine weit höhere Zahl angenommen. Etwa 30% der Opfer sind minderjährig, zwischen 92% und 95% der Betroffenen sind weiblich. Es gibt verschiedene Formen der Zwangsheirat. Alle Formen der Zwangsheirat sind strafbar (§ 237 StGB):
 
  • Heiratsverschleppung: Unter dem Vorwand der Ferien oder des Verwandtenbesuchs im Heimatland der Eltern, werden Betroffene ins Ausland gelockt und dort gegen ihren Willen verheiratet.
  • Heiratsimport: Eine aus dem Ausland stammende Person wird nach Deutschland gebracht, um sie gegen ihren Willen mit einer anderen, in Deutschland lebenden Person zu verheiraten.
  • Einwanderungsheirat: Eine aus dem Ausland stammende Person wird zur Heirat gedrängt, um eine Aufenthaltsgenehmigung zu erhalten.
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