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Gefährdung durch Elternstreitigkeiten
Bei getrenntlebenden oder geschiedenen Eltern entstehen oftmals Streitigkeiten, die das Wohl des Kindes gefährden können. Durch das gesetzlich geregelte Umgangsecht kann man vielen Konflikten vorbeugen, allerdings sind Kinder dadurch nicht automatisch vor Manipulationen durch den anderen Elternteil geschützt. Im Interesse der Kinder appelliert der Gesetzgeber an Eltern „an einem Strang zu ziehen“: „Die Eltern haben die Elterliche Sorge in eigener Verantwortung und im gegenseitigen Einvernehmen zum Wohl des Kindes auszuüben. Bei Meinungsverschiedenheiten müssen sie versuchen sich zu einigen“ (§ 1627 BGB). Der Gesetzgeber geht davon aus, dass einvernehmliche Entscheidungen für Kinder das Beste sind und die geringste Belastung bedeuten (Einvernehmlichkeitsprinzip). Insbesondere bei Trennung und Scheidung kann dies für Eltern zur besonderen Herausforderung werden.

Kommt es zum Streit der Eltern, leiden die Kinder meist. Oft meinen sie Position beziehen zu müssen. Dies umso mehr, wenn streitende Eltern vor dem Kind schlecht über den andere Elternteil sprechen und ihre Feindseligkeiten auf die gesamte Familie des anderen Elternteils ausweiten. Wird von den Kindern gar erwartet, dass sie bedingungslos die Gedanken und Gefühle des einen Elternteils übernehmen und beispielsweise kein Verständnis oder kein Interesse mehr für den anderen Elternteil zeigen, kann dies eine Gefahr für deren psychisches Wohl darstellen. Die Manipulation eines Kindes kann von gelegentlichen negativen Kommentaren über den anderen Elternteil bis hin zur schwersten Manipulation, z. B. Verweigerung des Umgangs mit wichtigen Bezugspersonen, führen. Bei einer schweren Manipulation handelt es sich sogar um eine Form psychischer Kindesmisshandlung.

Gesetzlich verankert ist deshalb eine Wohlverhaltensklausel: Eltern haben „alles zu unterlassen, was das Verhältnis des Kindes zum jeweils anderen Elternteil beeinträchtigt oder die Erziehung erschwert“ (§ 1684 Abs. 2 BGB). Gezielte Einflussnahme zur Umgangsverweigerung verletzt die Wohlverhaltensvorschrift. Dies kann auf eine eingeschränkte Erziehungsfähigkeit des hauptsächlich betreuenden Elternteils hinweisen.

Zum Wohl des Kindes gehört in der Regel der Umgang mit beiden Elternteilen. Gleiches gilt für den Umgang mit anderen Personen, zu denen das Kind Bindungen besitzt, wenn ihre Aufrechterhaltung für seine Entwicklung förderlich ist“ (§ 1626 Abs. 3 BGB). Der Kreis der Umgangsberechtigten umfasst somit auch die Großeltern, Geschwister, Stiefeltern, frühere Pflegeeltern und andere Bezugspersonen (§ 1685 BGB). Das Kind hat einen Anspruch auf Umgang mit beiden Elternteilen sowie weiteren Bezugspersonen. Dabei gilt es den Willen des Kindes und dessen Selbstbestimmung zu beachten.

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