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Missachtung der kindlichen Selbstbestimmung
Sie als Eltern besitzen für Ihre Kinder das Entscheidungsrecht. Ziel jeder Erziehung ist jedoch, dass Ihr Kind zu einer selbständigen und eigenverantwortlichen Person heranreift. Ihr Kind sollte also mit zunehmenden Fähigkeiten auch eigene Entscheidungen treffen (dürfen). Deshalb appelliert der Gesetzgeber im BGB an Sie, bei der Pflege und Erziehung die wachsende Fähigkeit und das wachsende Bedürfnis des Kindes zum selbständigen und eigenverantwortlichen Handeln zu berücksichtigen. Wird dieses Bedürfnis übergangen, kann dies das Wohl des Kindes gefährden.

Jeder Mensch braucht Freizeit, um sich vor den Anstrengungen des Lebens zu erholen. Da die Eltern das Vertretungsrecht haben, obliegt es Ihnen, die Freizeit Ihrer Kinder auch durch diverse Mitgliedschaften und Teilnahmen an verschiedenen Freizeitaktivitäten zu steuern, z. B. Pfadfinder, Musikschule, Sportverein. Bei Aktivitäten wie Modeln, Teilnehmen an Modenschauen und Castingshows oder einem starken Engagement im Leistungssport usw. ist eventuell Vorsicht geboten.

Nicht jedes Kind teilt aber dieses Interesse mit dem Elternteil. Trotzdem kann es sein, dass das Kind die Tätigkeiten zunächst ausübt, um den Eltern zu gefallen oder deren Aufmerksamkeit und Liebe zu erhalten. Aus diesem Grund sollten Sie auf mögliche Symptome des Kindes achten und auf dessen Wünsche Rücksicht nehmen. Anzeichen dafür, dass das Kind die Tätigkeit nicht ausüben möchte, können beispielsweise negative Äußerungen über die Aktivität, Lustlosigkeit, fehlende Freude, Stress, Überforderung, Anspannung, Unbehagen oder Gereiztheit sein. Oft besteht auch ein Verpflichtungsgefühl des Kindes gegenüber den Eltern oder Schuldgefühle, wenn das Kind den Wunsch der Eltern verweigert.

Sie als Eltern haben das Recht den Aufenthalt Ihres Kindes an einem bestimmten Ort, zu einer bestimmten Zeit zu gestatten oder zu verbieten. Auch hier gilt, dass Ihr Kind mit zunehmenden Fähigkeiten und Alter eigene Entscheidungen treffen möchte und sollte. Dasselbe gilt für den Umgang mit Dritten. Auch hier sind Sie als Eltern entscheidungsbefugt. Zu berücksichtigen sind dabei jedoch etwaige Umgangsrechte des Kindes, insbesondere zum anderen (evt. geschiedenen oder getrennten) Elternteil und zu Personen, zu denen eine Bindung besteht.

Die Wahl der weiterführenden Schule ist Teil der Elterlichen Sorge und Sache der Eltern. Bei der Schulauswahl sollten Eltern verschiedene Punkte berücksichtigen. Die Einschätzung der Lehrerkräfte geben Hinweise auf das Potenzial des Kindes. Zu berücksichtigen sind die Fähigkeiten des Kindes, z. B. das Lernverhalten, die Konzentration, Sprache, aber auch die Wünsche des Kindes, denn auf die Eignung und Neigung des Kindes ist Rücksicht zu nehmen. Eine falsche Schulwahl kann aufgrund unterschiedlichster Begabungen der Kinder zu einer Unter- bzw. Überforderung auf der neuen Schule führen. Mehr Informationen für Eltern, auch bundeslandspezifisch, finden Sie auf der Webseite Deutscher Bildungsserver, Wegweiser zur Bildung.

Schulverweigerer bleiben wiederholt, oft ganztägig und meist unentschuldigt dem Unterricht fern. Sie als Eltern sind dafür zuständig, dass Ihr Kind die Schulpflicht erfüllt. Es bietet sich an mit den Lehrkräften Vereinbarungen über Rückmeldungen zu An- und Abwesenheiten zu treffen. Auch externe Beratung und Hilfe, z. B. vom Jugendamt, kann bei diesem Problembereich in Anspruch genommen werden.

Die Entscheidung über die Berufsauswahl liegt auch bei Minderjährigen in der Hand der Jugendlichen, denn sie betrifft ihren Lebensweg. Sie als Eltern und gesetzliche Vertreter des Jugendlichen unterschreiben den Ausbildungsvertrag. Der Gesetzgeber appelliert an Sie in Angelegenheiten der Ausbildung und des Berufs Eignung und Neigung des Kindes zu berücksichtigen. Nicht alle Eltern sind mit der Berufswahl ihrer Kinder einverstanden. Dies kann zu einer Verweigerung der Unterschrift führen. Sollten Sie nicht einwilligen und dadurch die Entwicklung des Kindes nachhaltig oder schwer beeinträchtigen, so kann das Gericht die notwendigen Erklärungen der Eltern bzw. eines Elternteils im Rahmen des Bereichs „Ausbildung und Beruf“ durch eine richterliche Entscheidung ersetzen, um eine Kindeswohlgefährdung zu verhindern.

Straftaten gegen Selbst- und Mitbestimmung, hierzu zählen:
  • "Ehren"mord (Mord zur Wiederherstellung oder zum Schutz der Ehre) als Tötung der Verursacherin von Ehrverlust oder -gefährdung, d. h. eines in der Regel weiblichen Mitglieds der Familie des Täters. Es handelt sich hier juristisch um Mord oder Totschlag. "Ehren"mord (Mord / Totschlag) ist strafbar. Wenn ein minderjähriges Familienmitglied die Tat begeht, so sind die Eltern ebenfalls strafbar. Dies gilt als Anstiftung und / oder Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflicht.
  • Weibliche Genitalverstümmelung, hier werden die äußeren weiblichen Geschlechtsorgane teilweise oder ganz entfernt. Die Verstümmelungen verursachen bei den Frauen körperliche und seelische Schäden, die zu drastischen Beeinträchtigungen der Lebensqualität führen. Genitalverstümmlung ist strafbar.
  • Zwangsheirat liegt vor, wenn mindestens einer der Eheschließenden durch Willensbeugung zur Ehe gebracht wird. Egal, ob unter dem Vorwand der Ferien oder des Verwandtenbesuchs im Heimatland Betroffene ins Ausland gelockt und dort gegen ihren Willen verheiratet werden, ob eine aus dem Ausland stammende Person nach Deutschland gebracht wird, um sie gegen ihren Willen mit einer anderen, in Deutschland lebenden Person zu verheiraten oder eine aus dem Ausland stammende Person zur Heirat gedrängt wird, um eine Aufenthaltsgenehmigung für den Partner zu erhalten - Zwangsheirat ist strafbar.

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